Philip Roth, Nemesis.

Es ist der letzte Roman des großen amerikanisch-jüdischen Schriftstellers Philip Roth (1933-2018): Im Zentrum steht eine Epidemie und ihre unvorhersehbaren Tücken. Die Handlung spielt 1944, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, zunächst im jüdischen Viertel einer Kleinstadt an der US-Ostküste. Und später in einem jüdischen Feriencamp in der idyllischen Bergwelt der Appalachen. Mit unseren Corona-Erfahrungen können wir das dicht und spannend geschriebene Buch noch einmal mit ganz anderen Augen lesen.Hauptfigur ist Bucky Cantor, ein junger Sportlehrer, der wegen starker Kurzsichtigkeit nicht zur Army eingezogen wird. Aber er will nicht untätig sein, und so macht er jeden Vormittag in den heißen Sommerferien Sport mit einigen Kindern des Viertels, deren Eltern nicht genug Geld haben, um sie an einen luftigeren Ort in die Ferien zu schicken. Doch in der Stadt geht die schreckliche Krankheit Polio (Kinderlähmung) um, gegen die es zu dieser Zeit noch keine Impfung gab. Man wusste nur, dass sie durch Viren und mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Buckys Freundin Marcia Steinberg fürchtet, dass er sich anstecken könnte, denn schon sind aucheinige seiner Sportschüler qualvoll an der hochansteckenden Krankheit verstorben. Sie kann Bucky überreden, zu ihr in die kühle Bergwelt der Appalachen zu kommen, um dort als Jugendbetreuer zu arbeiten und vor Polio sicher zu sein. Aber das griechische Wort „Nemesis“ besagt unter anderem, dass wir trotz bester Absichten manchmal das Gegenteil dessen auslösen, was wir eigentlich bewirken wollen. Und so wird ausgerechnet das abgeschiedene Freizeitcamp zur Krankheitsfalle. Philip Roth beschreibt meisterhaft das schwierige Leben in Zeiten einer (noch) unheilbaren Krankheit – mit all den drängenden Fragen nach persönlicher Verantwortung, Glück, Zufall, Glauben, Zweifel und Verhängnis.Renate Schwarzbauer

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