Ines Sonder: Lotte Cohn, Baumeisterin des Landes Israel. Biographie und Selbstzeugnisse.

Ines Sonder: Lotte Cohn, Baumeisterin des Landes Israel. Biographie und Selbstzeugnisse. 239 S., Jüdischer Verlag bei Suhrkamp, 2010.

Lotte Cohn (1893 – 1983) gehörte zu den ersten Frauen in Deutschland, die Architektur studierten, und ihr Diplom der Technischen Hochschule Berlin enthält 1916 noch die Anrede: „Herr Charlotte Cohn“. Ihr Arbeitsleben in Preußen begann mit dem Wiederaufbau von Gebäuden, die im 1. Weltkrieg zerstört worden waren. Lotte Cohns Vater starb schon 1901, als sie erst acht Jahre alt war. Er vertrat leidenschaftlich die Ideen des Zionismus, und so jung sie auch war bei seinem Tod, diese Gedanken ließen sie nicht mehr los. So beschloss sie, Deutschland zu verlassen und nach Erez Israel auszuwandern. 1921 war es soweit, Lotte Cohn gehörte zur Einwanderergruppe der frühen Zwanziger Jahre, der sogenannten Dritten Alija.

Die Autorin dieser Biographie, Ines Sonder (geb. 1964), ist Historikerin und Mitarbeiterin am Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam. Ihr gelingt das einfühlsame Porträt einer Frau, die ganz wesentlich am Aufbau des Landes Israel beteiligt war. Lotte Cohn entwarf und baute Schulen, Kibbuzim, Wohnhäuser und Siedlungen, Altenheime, Parkanlagen, öffentliche Plätze, Gewerkschaftsbüros und vieles mehr. Mit großer Energie stellte sie sich den oft schwierigen Bedingungen: den politischen Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen vor und nach der Gründung des Staates Israel 1948, der Hitze und Trockenheit, dem häufigen Mangel an Geld und Baumaterialien. Bis ins hohe Alter blieb sie aktiv. Die Zeit aber, die ihr selbst am eindrücklichsten in Erinnerung blieb, waren die Zwanziger Jahre. Ines Sonder ergänzt daher ihr Buch mit dem berührenden Text, den die Architektin und Zionistin Lotte Cohn gegen Ende ihres Lebens selbst verfasst hat: „Die Zwanziger Jahre in Erez Israel. Ein Bilderbuch ohne Bilder.“

 

Renate Schwarzbauer

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